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20 Jahre Frankfurter Tafel Lebensmittel reichen nicht aus

Bei der Frankfurter Tafel wächst die Zahl der Bedürftigen, aber die Menge an Lebensmittelspenden sinkt. Jeder Tafel-Kunde darf deshalb zurzeit nur einmal in drei Wochen zu einer Ausgabestelle kommen.

Obst und Gemüse muss sortiert werden, bevor es an Bedürftige in Bornheim gegeben wird. Foto: christoph boeckheler*

„Heute sind sie nicht dran; sie können nur einmal alle drei Wochen kommen, gehen sie bitte wieder“, erklärt Adi Saoudi einer älteren Frau. Sie zeigt ihm eine violette Papiermarke, die in eine durchsichtige Plastikfolie geschlagen ist; ihre andere Hand umklammert den Griff eines Einkaufstrolleys. Die Frau wollte sich Lebensmittel in der Christuskirche am Merianplatz abholen. Dort organisiert Adi Saoudi die Lebensmittelausgabe der Frankfurter Tafel.

Nur gibt es seit einigen Monaten ein Problem: es kommen immer mehr Menschen, die Lebensmittel haben möchten, aber gleichzeitig erhält die Tafel von den Supermärkten immer weniger Nahrungsmittelspenden. Deshalb darf jeder Tafel-Kunde, so nenen sie die Bedürftigen hier, nur einmal in drei Wochen zu einer Ausgabestelle kommen.

Mehr Umsatz, weniger für die Tafel

„Ich konnte nicht herausfinden, woran es liegt, dass wir weniger Spenden bekommen“, sagt Edith Kleber, die zweite Vorsitzende des Vereins Frankfurter Tafel. Darauf angesprochen gaben Betreiber verschiedener Lebensmittelläden, ganz unterschiedliche, teilweise überraschende Erklärungen an: „Ich würde ja gerne meine übriggebliebenen Lebensmittel abgeben, aber die Tafel kommt seit einem Jahr nicht mehr zu mir, weil ich angeblich zu wenig abgebe“, sagt Armil Farhad. Er betreibt ein Lebensmittelgeschäft in Niederrad. Jetzt wirft er die Lebensmittel, die er nicht verkauft, weg. Denn andere Projekte seien nicht so gut organisiert wie die Tafel, da müsste er die Waren selbst irgendwo hinfahren, das schaffe Farhad nicht.

Einen anderen Grund nennt ein Supermarkt-Betreiber im Gallus. Er meint, er habe in den vergangen Monaten mehr Umsatz gemacht und deshalb weniger an die Tafel abgegeben. Bei einem Lebensmittelladen im Nordend haben sich die Lieferzeiten und Reklamationsregelungen von Obst und Gemüse geändert. „Deshalb können wir weniger Frischwaren an die Tafel geben, sagt Markt-Angestellte Ayla Gültekin. Die Menge an Lebensmitteln, die an die Frankfurter Tafel gespendet wird, hängt also von verschiedenen Faktoren ab, manchmal haben die Mitarbeiter der Tafel selbst darauf Einfluss.

Fleisch und Wurst wird weniger

Einen Grund dafür zu finden, dass die Zahl der Bedürftigen steigt, ist schon leichter. Das liegt vor allem an den Geflüchteten, die nach Frankfurt kommen. „Heute haben wir sechs Familien neu aufgenommen, sie sind alle Flüchtlinge“, sagt Adi Saoudi. Insgesamt ist in den vergangenen Jahren die Zahl derer, die sich bei der Tafel Lebensmittel holen, deutlich gestiegen: „Als wir 2002 die erste Lebensmittelausgabe am Bahnhof eingerichtet hatten, kamen vielleicht 15 Leute.“ An dem Mittwochmittag im Oktober stehen über 100 Menschen vor dem Portal der Christus-Kirche und warten darauf, aufgerufen zu werden. Denn sie alle haben eine Nummer auf einer farbigen Papiermarkte. So legt Adi Saoudi die Reihenfolge fest: zuerst Pflegedienstmitarbeiter, die Lebensmittel für einige ihrer Patienten abholen, nachher Senioren älter als 80 Jahre und Mütter mit Kindern; schließlich der ganze Rest.

„Obst und Gemüse gibt es immer reichlich, Fleisch und Wurst ist aber in den vergangenen Wochen immer weniger geworden, beim letzten Mal war gar kein Fleisch in meiner Tüte“, sagt Ralph Schröder. Auch insgesamt seien es weniger Lebensmittel in seiner Tüte gelandet. Schröder bekommt seit drei Jahren Hartz IV und seit einem Jahr holt er sich Lebensmittel bei der Tafel.

Am Mittwochmittag am Merianplatz war die Situation besser, als in den vergangen Wochen üblich: es gab genug Lebensmittel für alle Tafel-Kunden, auch ein bisschen Fleisch und Wurst war mit dabei.

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