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1968 in Frankfurt Rudi Dutschke und Frankfurt

Rudi Dutschke rief 1968 zum Sturm auf das US-Generalkonsulat auf. Doch die Demonstranten kamen gegen die Polizei nicht an. Eine Erinnerung an den charismatischen Studentenführer.

1968 in Frankfurt
Rudi Dutschke (links vorne) am 5. Februar 1968 im Getümmel in Frankfurt. Foto: Institut für Stadtgeschichte

Er hat 1968, im Jahr der Revolte, seine Spuren auch in Frankfurt hinterlassen: Rudi Dutschke, der charismatische Studentenführer, der vor allem mit Berlin in Verbindung gebracht wird. Der Sohn eines Postbeamten, der seine Jugendjahre in der DDR verbracht hatte, war mit seinem Ernst, seinen schwerblütigen rhetorischen Ausflügen in die Philosophiegeschichte und marxistische Theorie so etwas wie der Gegenentwurf zu Daniel Cohn-Bendit. Das Frankfurter Gesicht von 1968 stand schon damals eher für den Spaß an der Aktion, für die Provokation und die Liebe zum guten Leben. 

Die Frankfurter Aktivistinnen und Aktivisten verehrten Dutschke zum großen Teil durchaus. Als er am 5. Februar 1968 auf dem Rhein-Main-Flughafen landete, empfing ihn eine Schar von Demonstranten schon dort begeistert. Im Autokorso ging es in die Innenstadt und zur Universität, wo der Gast aus Berlin bei einem Teach-In sprach. Dutschke war in Stimmung und rief dazu auf, das nahe US-Generalkonsulat auf dem Grundstück Siesmayerstraße 21 zu stürmen. Und tatsächlich versuchten etwa 2000 Demonstranten, den Appell in die Tat umzusetzen. 

Das Generalkonsulat mit damals bereits mehreren Hundert Mitarbeitern galt den Linken unter anderem als Spionagezentrum der USA in Westeuropa, besaß aber Bedeutung auch beim Transport von US-Soldaten nach Vietnam von der US-Airbase in Frankfurt aus. Doch der Sturm der Aktivisten auf das Gelände misslang. Die Polizei verteidigte mit Wasserwerfern und Schlagstockeinsatz die Absperrungen, die sie rund um das Generalkonsulat errichtet hatten. 

Zwei Monate später, am 11. April, wurde Dutschke in Berlin durch drei Pistolenschüsse des Hilfsarbeiters Josef Bachmann lebensgefährlich verletzt. Als die Nachricht Frankfurt erreichte, waren sofort Hunderte von wütenden und betroffenen Demonstranten auf der Straße. Über die folgenden Osterfeiertage protestierten bis zu 10 000 Menschen in Frankfurt gegen die „Bild-Zeitung“, deren Hetze man für das Attentat verantwortlich machte. 

Dutschke überlebte damals zwar, starb aber 1979 an den Spätfolgen seiner Verletzungen. Seine Witwe Gretchen kommt jetzt nach Frankfurt. 

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