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150. Todestag Arthur Schopenhauers Der Pessimist

Stadt feiert ihren Philosophen Schopenhauer (der wahrscheinlich allerlei Griesgrämiges über sie zu sagen gehabt hätte) mit einem Veranstaltungsmarathon bis Januar 2011. Dann gehört er wieder ganz der Akademie.

19.09.2010 19:27
Lia Venn
Schopenhauer im Anlagenring. Foto: FR/Kumpfmüller

Man stelle sich nur einmal kurz vor: Arthur Schopenhauer hat es sich im Haus Schöne Aussicht Nummer 16 auf seinem Sofa bequem gemacht, vor dem Fenster schiebt sich der Main Richtung Rhein und der knarzige Philosoph verfolgt im Fernsehen eine der einschlägigen nachmittäglichen Talkshows. Die Kommentare, die er abgeben würde, wären ein bissiges Meisterwerk. Horkheimer war es, der über Schopenhauer sagte: „Er macht deutlich, dass Philosophie dafür da ist, sich nicht dumm machen zu lassen.“ Das Zitat übermittelt Kulturdezernent Felix Semmelroth im Literaturhaus bei der Vorstellung des Programms zum Schopenhauer-Herbst anlässlich des 150. Todestag des Philosophen am 21. September.

Das Plakat zu den Veranstaltungen zwischen 22. September und 30. Januar ist vielleicht schon der einen oder dem anderen aufgefallen. Wie ein Spinnennetz schaut Schopenhauer weiß liniert aus schwarzem Grund. Das Frankfurter Atelier Markgraph hat es ersonnen und Michael Fleiter vom Institut für Stadtgeschichte erklärt: „Es bezieht sich auf Schopenhauers Bild seiner Philosophie, die wie das 100-torige Theben sei.“ Mit Zugängen von allen erdenklichen Seiten. Schopenhauer kam in Danzig zur Welt, wählte aber Frankfurt als Heimat. „Weil er die Stadt lebenswert fand und als Mittelpunkt Europas bezeichnete“, sagt Semmelroth. Und will dem Philosophen auch nicht widersprechen. Ihn beeindruckt Schopenhauer offensichtlich nicht nur wegen des Interkulturellen seiner Philosophie – er brachte fernöstliches Denken ins Deutsche –, sondern auch, weil er das „folgende Denken in der Stadt, die Frankfurter Schule, so beeinflusst hat“. Matthias Koßler, Präsident der Schopenhauer-Gesellschaft, bezichtigt die akademische Philosophie in Deutschland eines „Mangels an Würdigung Schopenhauers“. Er gehöre mit Nietzsche zu den weltweit am meisten gelesenen Philosophen, nur nicht hierzulande. „Es ist ein skandalöser Zustand dass es keine wissenschaftlich haltbare Ausgabe Schopenhauers gibt.“

Arthur als Souvenir-Büste

Der Internationale Kongress, den die Schopenhauer-Gesellschaft vom 22. bis 24. September veranstaltet, soll das ändern, und: „Wir erhoffen uns eine Aufwertung Schopenhauers im kulturellen Selbstverständnis der Stadt.“ Carolina Romahn vom Literaturhaus hat dazu eine Idee: „Goethe gibt es überall, unser Ziel ist es auch, dass in Souvenir-Läden Schopenhauer-Büsten stehen.“

Schopenhauer hat seine Umgebung „mit viel Lust gekränkt“, sagt Michael Fleiter. „Man hat ihm nicht verziehen, es ist das Phänomen des Überbringers schlechter Nachrichten.“ Schopenhauer brachte ins bis dahin eher harmoniesuchende Denken den Pessimismus. „Das Schicksal ist grausam und die Menschen sind erbärmlich“, befand er. In seinen Aphorismen, die Romahn, Fleiter und Koßler als Einstiegs-Literatur empfehlen, gibt Schopenhauer aber auch Tipps zum Trotzdem-Überleben. Man solle sich auf sich selbst verlassen und etwaige Gegner mit rhetorischen Tricks aushebeln, wenn das nichts helfe „grob“ werden, sie beschimpfen und beleidigen. So fasst es hr-2-Redakteur Ruthard Stäblein zusammen.

„Die Schopenhauer-Veranstaltungen in den nächsten Monaten sind eine einmalige Gelegenheit, das Bild von ihm zu entstauben“, fasst Fleiter zusammen. Und siehe da: „Der Ortsbeirat hat zugestimmt, das Dreieck an der Alten Brücke, wo von der Schönen Aussicht die Fahrgasse abgeht, ‚Schopenhauer-Platz‘ zu nennen“, wie Semmelroth noch ankündigt.

Die Hinwendung zum vermeintlichen Grantler hat schon begonnen.

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