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Pauschenpferd Helden auf Holzrössern

Das Pauschenpferd hat keinen eigenen Willen – ein Glück für alle, die sich hinaufschwingen.

Kunstturnen
Auch Fabian Hambüchen, Olympiasieger und Weltmeister im Kunstturnen, hasst das Pauschenpferd. Foto: dpa

Das Pauschenpferd ist der FC Bayern München unter den Turngeräten: Man hasst es, oder man liebt es. Fabian Hambüchen, Olympiasieger und Weltmeister im Kunstturnen, hasst es. Mehr als die Ringe, mehr als den Barren. Trotzdem ist er Tausende Male auf dieses Pferd gestiegen, immer und immer wieder. „Der Ausgleich durch alle Geräte tut mir sehr gut – auch wenn ich mich an manchen Geräten wie dem Pauschenpferd sehr quäle“, hat Hambüchen einst gesagt. „Aber ich muss es nun mal turnen, wenn ich Mehrkämpfer sein will.“ Und auch ein Kämpfer gegen den inneren Widerstand.

„Die Herausforderung beim Pauschenpferd“ besteht laut sportlexikon.com in dem Umstand, dass man nicht darauf sitzt – wie es naheliegend wäre –, sondern „in Front vom Pferd turnt“, in einem gleichmäßigen, kontrollierten Rhythmus. Das Gerät selbst wird nur mit den Händen berührt. Die erforderlichen „Scherenbewegungen und Pendelschwünge“ werden mit gespreizten Beinen ausgeführt, „wobei ein Bein vor und ein Bein hinter dem Pferd bewegt wird“. Dafür brauche man „viel Kraft“, „gleichzeitig aber auch eine Art von Eleganz“. Für die Kampfrichter sei das Pauschenpferd das wohl schwierigste Gerät: Schon minimale Unterschiede beim Aufstützen der Hände können über die Bewertung entscheiden.

All das muss man lieben.

Einer, der es liebt, ist Andreas Toba. Selbst diejenigen, die sich sonst kaum fürs Kunstturnen begeistern, dürften seinen Namen kennen, seit er bei den Olympischen Spielen im vergangenen Jahr zum „Hero de Janeiro“ wurde: Toba hatte bei seiner Kür am Boden einen Kreuzbandriss im rechten Knie erlitten und war damit eigentlich außer Gefecht gesetzt. Er trat trotz „irrer Schmerzen“ noch einmal an – am Pauschenpferd, seinem Spezialgerät, und sicherte seinem Team den Einzug ins Finale. „Das Pferd ist leider eine Schwäche bei uns in Deutschland“, sagte Toba. „Ich wusste, wenn ich meine Übung normal turne, hätte ich einen Punkt mehr gebracht als die anderen.“ Und so war es.

Lange bevor solche modernen Helden geboren wurden, trainierten schon Alexander der Große und seine Makedonier an einem Holzross das Auf- und Absitzen. Und die Herren des Mittelalters erprobten ihre ritterlichen Fertigkeiten an einem naturnahen Hengst, der den klaren Vorteil hatte, dass er keinen eigenen Willen besaß. Unter Turnvater Jahn wurde das Pferd Anfang des 19. Jahrhunderts in die Kunst der Leibesübung übernommen – er nannte es allerdings eher unelegant „Schwingel“ und die entsprechenden Übungen „Schwingen“. Der heutige Name stammt von den beiden Griffen, die in der Mitte des Pferdes montiert sind, im Fachjargon: Pauschen.

Als Fabian Hambüchen seine Hände zum ersten Mal um diese Pauschen legte, war er vier Jahre alt. Seine Autobiografie erschien 2010, da war er gerade mal 23. Sein neues Buch „Den Absprung wagen: Stürzen, aufstehen, siegen lernen“ kommt in diesem Herbst heraus. Auf beiden Covern zu sehen: der Autor am Pauschenpferd. Vielleicht wird ja doch noch Liebe daraus.

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