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Mode Ich habe Ihnen einen Fummel mitgebracht

Ein derbes Armband von Loewe, eine Interlock-Kette, die aus dem 3D-Drucker stammt.

Loewe-Armband
Loewe-Armband aus dem 3-D-Drucker: In der Schmuckindustrie wird das Verfahren seit Jahren schon genutzt, nur geredet wurde darüber selten. Foto: imago/loewe

Eher ein Beiwerk denn ein Kleidungsstück: mit rindsledernem Verschluss. Keine feine Schmiedekunst jedoch – dieses Teil kommt aus einem 3-D-Drucker der Vojd Studios. Als einziges Unternehmen konzentriert sich die Berliner Firma komplett auf Produkte für das modische Luxussegment, kooperiert mit Marken wie Alexander McQueen, Carolina Herrera oder Akris. „Der 3-D-Druck mit seinen neuen Möglichkeiten und Konzepten verändert längst die Produktgestaltung in verschiedenen Industrien, auch in der Mode“, sagt Hristiyana Vucheva, Kreativdirektorin von Vojd.

Bei dem Verfahren finden verschiedene physikalische oder chemische Härtungs- und Schmelzprozesse statt, dreidimensionale Werkstücke werden computergesteuert schichtweise aufgebaut. Druckbar sind fast alle Materialien, die sich im flüssigen Zustand verarbeiten lassen, wie Metall, Nylon, Plastik oder Porzellan.

Für Vucheva ist es vor allem die Möglichkeit der Individualisierung, die dem 3-D-Druck eine große Mode-Zukunft verspricht: In Zeiten, in denen jeder alles und sofort bestellen, haben, tragen kann, muss sich die Mode überlegen, wie sie relevant und zukunftsfähig bleibt.

„Customization“ wird zum Schlüsselwort: Die Farbgebung der Sneaker, der Druck auf dem Shirt – zahlreiche Firmen lassen ihre Kunden per Mausklick zum Designer werden, befriedigen seine ganz eigenen Bedürfnisse, binden ihn so an Marke und Produkt. „Herausragend am 3-D-Druck ist die Möglichkeit, individualisierte Stücke zu erstellen, weil jedes Teil einzeln gedruckt wird. Es wird keine vorgefertigte Gussform hergestellt, mit der man dann möglichst viele Artikel produzieren sollte“, so Vucheva. Jede zu druckende Form wird bloß digital generiert. So einfach ist das.

In der Schmuckindustrie wird der 3-D-Druck seit Jahren schon genutzt, nur geredet wurde darüber selten: Gerade im Schmuckbereich wird gern traditionelles Handwerk suggeriert. Da passt eine kleine Maschine, die ohne Unterlass Preziosen ausspuckt, nur schlecht ins Bild. „Wir glauben ganz fest daran, dass traditionelles Handwerk und neue Technologien eben nicht gegeneinandergestellt werden sollen“, sagt Hristiyana Vucheva, „es ist doch die Symbiose zwischen Tradition und Innovation, die den Fortschritt vorantreibt.“ Beim 3-D-gedruckten Armband für die rund 170 Jahre alte Traditionsmarke Loewe aus Madrid jedenfalls hat die Verbindung schon mal gut geklappt.

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