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Singles am Friedberger Platz Gemeinsam einsam in Frankfurt

Wo sich Singles treffen: Der Markt auf dem Friedberger Platz zählt mit bis zu 4000 Besuchern nicht nur zu den größten öffentlichen Treffs im Rhein-Main-Gebiet. Er gilt auch als einer der größten Singlemärkte der Region

Lust auf flirten? Der freitägliche Markt auf dem Friedberger Platz gilt als Frankfurts größte Partnerbörse. Foto: Andreas Arnold

Gehst du heute zum Markt?“, fragt Marie ihre Kollegin. „Klar“, sagt Nina. Vielleicht sieht sie ja den netten Typen wieder, den sie dort letztens kennengelernt hatte. Anfang 40, Lehrer, blond, schöne Augen. Genau ihr Fall. Nina lächelt, macht den Computer aus. Noch schnell ein bisschen Kajal und Make-up, dann kann die Männerjagd beginnen.

Es ist Freitagabend, Feierabend, schönes Wetter und der Friedberger Platz im Nordend wie immer voll. Ins Gespräch kommen Marie und Nina schnell. Ein Glas Wein hier, ein Lächeln dort, ein zweites Glas Wein, ein zweites Lächeln und schon fragt einer: „Seid ihr öfter hier?“ Der nette Typ vom letzten Mal ist nicht dabei. Das macht aber nichts. Dafür sind jede Menge andere Männer am Start. Nach dem Markt geht es auf einen Absacker ins nahe gelegene Moksha (Rotlintstraße) oder ins Hinterzimmer (Gaußstraße). Auch dort gibt es jede Menge einsame Herzen.

Kochen, Wandern, Kuscheln

Der Markt auf dem Friedberger Platz zählt mit bis zu 4000 Besuchern nicht nur zu den größten öffentlichen Treffs im Rhein-Main-Gebiet. Er gilt auch als einer der größten Singlemärkte der Region. Jung und Alt, Schick und Leger kommt freitagsabends auf dem Platz an der Friedberger Landstraße zusammen, um die Woche ausklingen zu lassen. Und wer allein ist, es aber nicht bleiben möchte, hat hier gute Chancen.

Frankfurt liegt in der Single-Rangliste deutscher Großstädte auf Platz fünf. Laut einer Umfrage eines Datingportals und eines Marktforschungsinstituts ist jeder Vierte in der Mainmetropole alleinstehend. Wie viele es genau sind, ist schwer zu ermitteln. Das Amt für Statistik weiß nur, dass fast 213 700 Frankfurter, also rund 54 Prozent, in Ein-Personen-Haushalten leben. Stand: Ende 2013. Natürlich sind nicht alle von ihnen ohne Partner.

Für diejenigen, die neue Leute kennenlernen wollen, bietet die Stadt einiges. Es gibt diverse Facebookgruppen für Frankfurter Singles, mit teilweise 2500 Mitgliedern, Online-Dating-Seiten, die mit zahlreichen Veranstaltungen aufwarten: Kennenlernen beim gemeinsamen Kochen, Wandern, Kuscheln oder ganz bequem Dating-Apps fürs Smartphone wie Tinder oder Charm.

Wer Lust auf ein persönliches Kennenlernen hat, kann beim Speeddating sein Glück versuchen. Im „Echt“ auf der Oberen Berger Straße in Bornheim werden jeden Sonntag Gespräche im Minutentakt geführt, laut Veranstalter Dateyork mit Erfolg. Mehr als 50 Paare hätte das Speeddating in Frankfurt allein in den letzten zwei Jahren hervorgebracht, davon seien zwei verheiratet. Die Dunkelziffer der Paare, die sich hier kennengelernt haben, dürfte weit darüber liegen, heißt es.

In der Natur Menschen kennenlernen

Als Single-Party gab es lange nur die Fisch- und Fahrradpartys im Südbahnhof, sagt Leonardo Aquino von der Eventagentur Aqvi. Das war für jüngere Leute eher uncool, dachte er sich und rief die Party-Reihe „We love Frankfurt“ ins Leben, die meist im Club Velvet stattfindet. Der Veranstalter war überrascht vom Erfolg. „Single sein heißt wohl, doch eine hohe Motivation zu haben wegzugehen.“ Zwischen 700 und 1000 Menschen kommen regelmäßig, um zu tanzen und zu flirten.

Mit System: Die Gäste bekommen eine Nummer, können sich Nachrichten schreiben. Die Zettel geben sie ab, ein Monitor zeigt an, für wen es neue gibt. Schüchterne erhalten sogar eine Starthilfe. Mitarbeiter testen vorab, ob der andere überhaupt Interesse hat, bringen ein Gespräch in Gang oder laden an die Bar ein.

Wem Clubs zu laut sind, kann auch in der Natur Menschen kennenlernen. Das ist die Idee von „Wanderdate“, das Volker Sauer 2013 gründete. Damals war er selbst Single. Beim gemeinsamen Laufen komme man schnell ins Gespräch, es sei entspannter als erzwungene Dates, dachte er sich. Bis zu 30 Teilnehmer erkunden nun sonntags aufgrund seiner Initiative gemeinsam das Rhein-Main-Gebiet. „Die Nachfrage ist groß“, sagt er.

Wie viele Paare sich auf diesem Weg gefunden haben, weiß Sauer nicht. Es seien aber auch Freundschaften entstanden. Sauer selbst hatte Erfolg. Dieser Tage heiratete er seine Freundin, die er bei seiner zweiten Wandertour kennengelernt hatte. Aber nicht jeder hat das Glück, auf einem dieser Wege die große Liebe zu finden. Unverbindlicher Flirt, Spaß, Sex ist indes an vielen Orten Frankfurts möglich.

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