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Migrationsforscher Klaus J. Bade Kein Land der Teilhabe

Deutschland hat sich offizielle einer Willkommenskultur für Zuwanderer verschrieben. Der renommierte Migrationsforscher Klaus J. Bade schreibt in der FR: Im Alltag spürten die Migranten aber selten, dass sie willkommen sind. Er fordert eine "teilhabeorientierte Gesellschaftspolitik für Alle" - ob nun mit oder ohne den sogenannten Migrationshintergrund.

11.09.2014 13:47
Die Programmierung von Willkommenskultur beginnt zu einer Willkommensindustrie zu werden.

Deutschland hat sich offizielle einer Willkommenskultur für Zuwanderer verschrieben. Im Alltag spüren die Migranten aber selten, dass sie willkommen sind. Deutschlands Beziehung zu neuen Bürgern ist eher technisch – sie sollen lediglich den Druck des demografischen Wandels abfedern.

Der renommierte Migrationsforscher Klaus J. Bade scheibt in einem exklusiven Beitrag für die FR-Gerechtigkeitsserie daher, dass von einer Willkommens-Kultur keine Rede sein könne. „In Wahrheit handelt es sich meist nur um Willkommenstechnik.“

„Willkommenskultur gegenüber Neuzuwanderern predigen heute in salbungsvollem Vokabular auch Politiker, deren Parteien sich jahrzehntelang überboten haben mit schrillen Warnungen vor Zuwanderung. Abwehrbereitschaft wurde beschworen gegenüber den vermeintlich andrängenden ‚Sozialschmarotzern‘ aller Länder. Die hätten es abgesehen auf das vermeintliche Sozialparadies in der Mitte Europas, besonders geeignet für ausländische Faultiere im üppigen Baum des deutschen Wohlfahrtsstaates.

Das waren oft giftig populistische, mitunter auch sozial- und kulturrassistische Saatbeete für schnellwüchsige und nachhaltige Fremdenfeindlichkeit. In ihrer Folge erleben wir heute bereichsweise den Durchbruch von offenem Rassismus gegenüber Muslimen, Juden, Roma, aber auch Flüchtlingen und Asylsuchenden“, analysiert Bade, Mitgründer des Osnabrückers „Instituts für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien“.

Bade fährt fort: „Gäbe es schon die viel gerühmte Willkommenskultur auch im Inneren und nicht nur Willkommenstechnik in der plakativen Außenwerbung und am Hauseingang, dann würden nicht so viele hier ausgebildete Qualifizierte und Hochqualifizierte mit türkischem Migrationshintergrund an Auswanderung in die fremde Heimat ihrer Eltern denken. Sie werden wegen ihrer schon am Namen ablesbaren Herkunft bei der Jobsuche nach wie vor benachteiligt.

Damit nicht genug: In einer schon mehrere Generationen von Einwanderern umfassenden Gesellschaft kann es nicht mehr nur um die Inklusion von ‚Migranten‘ gehen. Es geht um eine teilhabeorientierte Gesellschaftspolitik für Alle, ob nun mit oder ohne den sogenannten Migrationshintergrund, der Einwanderern in diesem Land anhaftet wie ein erbliches Vorstrafenregister.“

Klaus J. Bade ist Migrationsforscher und Publizist. Er ist Mitgründer des Osnabrücker „Instituts für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien“.

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